Letzte Aktualisierung: 14. Oktober 2025
Functional Training ist einer der Begriffe, die inzwischen fast alles und damit fast nichts bedeuten. Auf Instagram sieht man Menschen auf wackelnden Halbkugeln balancieren, im Studio nebenan heisst der Kurs mit Kettlebells so, und irgendjemand behauptet, klassisches Gerätetraining sei „unfunktionell”. Räumen wir auf.
Was der Begriff ursprünglich meint
Functional Training kommt aus der Rehabilitation. Die Grundidee: Trainiert wird nicht ein einzelner Muskel, sondern eine Bewegung — möglichst nah an dem, was der Körper im Alltag oder im Sport tatsächlich leisten muss. Nicht „Bizeps beugen”, sondern „etwas Schweres vom Boden aufheben und tragen”.
Daraus folgt ein einfaches Kriterium: Funktionell ist eine Übung dann, wenn sie auf Ihr Leben überträgt. Für eine Pflegefachfrau, die täglich Menschen umlagert, ist das etwas anderes als für einen Buchhalter mit Gartenhobby. Es gibt keine Liste funktioneller Übungen — es gibt nur funktionelle Übungen für jemanden.
Die drei Missverständnisse
- „Functional heisst instabil.” Wackelbretter und Balancekissen haben ihren Platz — vor allem in der Reha und beim Gleichgewichtstraining. Aber Instabilität ist nicht das Merkmal von Funktionalität. Eine saubere Kniebeuge auf festem Boden ist hochfunktionell.
- „Maschinen sind unfunktionell.” Eine geführte Maschine trainiert eine Bewegung sicher und dosierbar — für Einsteiger oft der bessere Weg zum funktionellen Ziel als eine freie Übung mit schlechter Technik.
- „Functional ersetzt Krafttraining.” Umgekehrt: Ohne Grundkraft ist funktionelles Training oft nur Koordinationsübung. Kraft ist die Basis, auf der Übertragbarkeit entsteht.
Was funktionelles Training konkret bringt
Der Nutzen liegt in Bereichen, die man selten misst, aber täglich merkt:
- Rumpfstabilität — der Körper hält die Mitte fest, während Arme und Beine arbeiten. Merkbar beim Tragen, Bücken, Heben.
- Gleichgewicht — mit zunehmendem Alter der vielleicht wichtigste Faktor überhaupt. Die WHO empfiehlt ab 65 ausdrücklich Gleichgewichtstraining zur Sturzprävention.[1]
- Bewegungsqualität — Gelenke bewegen sich in ihrem vollen Radius, statt nur in dem Ausschnitt, den der Alltag verlangt.
- Zusammenspiel statt Einzelmuskel — mehrere Muskelgruppen lernen, gemeinsam zu arbeiten. Genau das braucht man ausserhalb des Studios.
Für wen es sich besonders lohnt
Aus der täglichen Betreuung sehen wir vier Gruppen, die überdurchschnittlich profitieren:
- Menschen mit sitzendem Beruf, deren Bewegungsrepertoire über Jahre schmaler geworden ist.
- Ältere Trainierende, bei denen Gleichgewicht und Alltagssicherheit im Vordergrund stehen — hier ist der Übertrag am direktesten spürbar.
- Wiedereinsteiger nach Verletzungen, die Bewegungsmuster neu aufbauen müssen, nicht nur Muskelmasse.
- Sportlerinnen und Sportler, die eine spezifische Anforderung haben — Rotation beim Golf, einbeinige Stabilität beim Laufen.
Wie man es sinnvoll kombiniert
Die praktikabelste Struktur für die meisten: Grundkraft als Basis, funktionelle Elemente als Ergänzung. Also zwei Krafteinheiten pro Woche mit den grossen Bewegungen — Kniebeuge, Zugbewegung, Druckbewegung, Hüftstreckung — und darin oder danach 10 bis 15 Minuten für Rumpf, Gleichgewicht und Mobilität.
Wer mit reinem Functional Training startet, ohne Kraftbasis, kommt oft schnell an eine Grenze: Die Koordination verbessert sich, die Belastbarkeit nicht. Umgekehrt läuft es besser.
Häufige Fragen
Brauche ich spezielle Geräte?
Nein. Der eigene Körper, ein paar Hanteln und etwas Platz reichen für den grössten Teil. Geräte erweitern die Möglichkeiten, sind aber keine Voraussetzung.
Ist Functional Training auch für Anfänger geeignet?
Ja, in dosierter Form — mit Betonung auf Technik und stabilem Untergrund. Wackelunterlagen gehören nicht in die erste Woche.
Wie oft?
Als Ergänzung zu zwei Krafteinheiten reichen 10 bis 15 Minuten pro Einheit. Als eigenständige Einheit ein- bis zweimal pro Woche.
Ausprobieren in Luzern
Im laSuite an der Zürichstrasse 33 stehen sowohl geführte Kraftgeräte als auch Fläche und Material für funktionelles Training zur Verfügung — die Kombination, die für die meisten am besten funktioniert. Einen Eindruck vermittelt Das Studio.
Wenn Sie noch am Anfang stehen, lesen Sie ergänzend Wie oft trainieren? und — falls der Rücken mitredet — Rücken stärken statt schonen. Konditionen: Preise. Fragen: Kontakt.
Über den Autor
Das Team vom laSuite Fitnessclub, Luzern. Wir betreuen an der Zürichstrasse 33 Einsteigerinnen und Einsteiger, Wiedereinsteiger und ambitionierte Sportlerinnen und Sportler — rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Krafttraining, Prävention und Physiotherapie unter einem Dach. Fragen? Schreiben Sie uns.
Quellen
- World Health Organization: Physical activity – Fact sheet (u. a. Gleichgewichtstraining ab 65 zur Sturzprävention).
- Bundesamt für Sport BASPO / Netzwerk HEPA Schweiz: Bewegungsempfehlungen für die Schweiz.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei bestehenden Beschwerden oder Vorerkrankungen klären Sie den Trainingsstart bitte vorgängig ärztlich ab.
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